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Themen und Inhalte

Bisherige Gespräche und Diskussionen mit Künstlern und Künstlerinnen haben nachfolgende Themenkomplexe in den Fokus gerückt.

Ihr könnt uns gerne jederzeit Ergänzungen, Erweiterungen oder Vorschläge für weitere Themen schicken. Wir als Organisationsteam werden Eure Anregungen und Kommentare aufmerksam lesen und, soweit als möglich, bei unseren Planungen berücksichtigen. Unter diesem Link findet Ihr eine Kontaktmöglichkeit.


(anklickbar)

In der Metropolregion leben und arbeiten einige hundert Künstlerinnen und Künstler. Wie sind unsere Rahmenbedingungen? Was sind die Vorteile, wo liegen die Nachteile der Region? Was unterscheidet uns von anderen Regionen (z.B. Berlin)?

Viele der hier lebenden Kunstschaffenden leben z.B. in einer äußerst prekären wirtschaftlichen Situation. Nach einer aktuellen Studie erreicht das Durchschnittseinkommen von Künstler/innen in Deutschland nicht einmal die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens aller abhängig Beschäftigten. Fast 70% verfügen über ein Einkommen von unter bzw. bis maximal 12.000 € im Jahr. Viele sind von Zuwendungen ihrer Lebenspartner abhängig, ebenso viele – nämlich etwa 10% – von Hartz IV. Daraus ergeben sich Fragen wie z.B.: Wie sieht es mit einem Grundeinkommen für Künstler/innen aus? Wo gibt es Atelierförderung? Wie sieht es mit Ausstellungshonoraren aus? usw.

Die Kulturpolitik in den einzelnen Kommunen wird in der Regel von Kulturverwaltungen gestaltet und entschieden. Oft gut gemeint, aber leider häufig an den Interessen der Kulturschaffenden vorbei. Natürlich gibt es partiell schon Mitsprache von Künstler/innen, dennoch bleiben wir meistens außen vor. Die meisten Künstler/innen sind freiberuflich tätig und werden demzufolge von vielen politischen Entscheidern als Unternehmer betrachtet, die dann sozusagen dem freien Markt unterliegen. Das sind allerdings Kriterien, die auf Kunstschaffende größtenteils nicht anwendbar sind. Kunst und Kultur sind  keine ästhetischen Produktschmieden, deren Erfolg von der Gunst eines gut situierten Käuferpublikums abhängen sollte. Aus dieser marktorientierten Haltung heraus werden z.B. kommunale oder städtische Fördermittel oft als großzügige Geschenke verstanden, die nach meist intransparenten Mechanismen verteilt werden. Wie könnte eine praktikable Mitsprache aussehen? Was können wir tun, um hier etwas zu bewegen? Gibt es vorbildhafte Modelle aus anderen Regionen?
Eine jüngst veröffentlich Studie der Kulturstiftung BW über die Arbeitssituation von Künstler/innen in Baden-Württemberg hat u.a. ergeben, dass sich diese in erster Linie bessere Kontakte untereinander und außerdem zu Kunstvermittlern, Sammlern usw. wünschen. Wir denken, das spiegelt sich in der ganzen Metropolregion Rhein-Neckar wider. Deswegen steht ein gegenseitiges Kennenlernen von unterschiedlichen Akteuren der Kunstszene sehr hoch auf unsrer Agenda. Das heißt, wir wollen Gelegenheiten schaffen, um mit Kuratoren/innen der namhaften Institutionen, sowie Galeristen/innen und Sammler/innen der Region in konstruktive Gespräche zu kommen.

Viele Künstler/innen wünschen sich – so die Studie – außerdem ein praktisch ausgerichtetes Netzwerk, das dem Austausch von speziellen handwerklichen Fertigkeiten, technischem Equipment oder dem Verfassen von Katalogtexten, Einführungsreden o.ä. dienen soll. Auch diesbezüglich wollen wir auf dieser Website langfristig einen Anfang machen.

Ein selten beachtetes Problem ist die Situation von älteren Künstler/innen. Nicht nur, dass sich viele öffentliche Ausschreibungen mehr und mehr an jüngere Kolleg/innen richten, ab einem gewissen Zeitpunkt stellt sich z.B. auch die Frage nach dem Verbleib des eigenen Oeuvres nach dem eigenen Ableben.

Ein anderer Punkt ist, dass immer mehr junge Absolventen/innen aus den Akademien strömen, sich in der Metropolregion Rhein-Neckar niederlassen und hier künstlerisch arbeiten wollen. Viele davon sind mit den Mechanismen und Spielregeln des hiesigen Kunstbetriebs kaum vertraut und benötigen Unterstützung, um sich zu behaupten und zurecht zu finden.

Kaum eine Branche hat in den letzten Jahren so viele Zuwächse generiert, wie der Kunstmarkt. Dabei treiben Händler und Sammler die Preise für zeitgenössische Kunst in immer schwindelerregendere Höhen. Auf großen Messen werden fast nur noch hochpreisige Arbeiten von namhaften Künstler/innen feilgeboten. Was ist mit denen, die jenseits des Hypes in mittleren und unteren Preissegmenten ihre Arbeiten anbieten müssen? Geht der Markt an Ihnen vorbei? Frisst also die Kunst Geld und das Geld die Kunst, wie Georg Seeßlen formuliert? Selbst Markus Lüpertz meint: “Mittlerweile gilt nur noch der hoch dotierte Kunstmarktstar als guter Künstler. Das schadet der Kunst und ihrer Betrachtung “
Wir leben in einer pluralistischen Kunstlandschaft, wie nie zuvor. Alles scheint möglich. Bereits vor Jahrzehnten hat die Kunst ihre tradierten Medien und Haltungen um ein großes Repertoire an neuen Formen und Interventionen erweitert. Ständig stellt sie sich und ihre scheinbar gültigen, aktuellen Definitionen infrage und macht sich auf die Suche nach neuen künstlerischen Spielfeldern. Was für die einen unerhört und radikal erscheint, ist für andere bereits selbstverständliches künstlerisches Tun. Wo sind die künstlerischen Grenzen und gibt es diese überhaupt? Wie sieht es hier in unserer Region damit aus? Sind wir Avantgarde oder traditionsverhaftet und hinterm Mond?
Am Spätnachmittag des 2. Kongresstages wollen wir gemeinsam einen große Paradezug durch die Innenstadt von Mannheim starten. In erster Linie geht es darum, unsere Präsenz selbstbewusst der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Selbstredend ist es dabei wichtig, dass möglichst viele von Euch dabei sind. Die Künstler/innen der Metropolregion leisten einen enorm wichtigen Beitrag für das Zusammenleben und sind für einen lebendigen und kreativen Diskurs über viele gesellschaftliche Belange unersetzlich. Wir wollen möglichst anschaulich zeigen, dass es uns gibt und dass wir nicht wenige sind.

 

Kunstflug: Festival • Tagung • Aktionen | Freie Szene Bildender Künstler/innen in der Metropolregion Rhein-Neckar